RainerSeiner

Privates von Rainer B.

Paddeltour mit Hindernissen von Braunschweig nach Watenbüttel

9 Kommentare

Das Wetter war vielversprechend, also entschied ich mich Samstag früh spontan für eine Paddeltour. Erst dachte ich an Wolfenbüttel-Braunschweig, aber bei den niedrigen Pegelständen (überall wenige zig cm unter Normal) wusste ich nicht, ob das ab Kenosha-Brücke klappt, und zur Sèvres-Brücke muss ich vom Bus aus immer noch ein ganzes Stückchen laufen, wozu ich nach fast 10km Hundespaziergang am Vortag noch keine Lust wieder hatte. Also BS → Watenbüttel, für Direktanreise mit der Buslinie 4-4-3 (so spricht man das hier)  zur Einsetzstelle erst gegen kurz vor 09:00 Uhr.

… nahe der Einsetzstelle

Bei Aldi und Netto geklaute Einkaufswagen …

Der Twist war dort dann schnell aufgepumpt, 2 Photos von Einkaufswagen, die am Ufer lagen, gemacht (morgen informiere ich die Eigentümer), beim Einsteigen kackte mir ein Vogel im Überflug auf die Hand, ein untrügliches Vorzeichen, dass es eine ganz phantastische Fahrt wird. Und los ging es. Schon nach kurzer Fahrt erreicht man (auch bei heute „fast 0 Strömung“) die erste Umtragung am Petriwehr, wo sich ein kleines Mädchen (frühes Vorschulalter) von der Brücke aus unbedingt meine komplette Umtragung anschauen wollte, und vom Vater vorher nicht zum Weiterfahren zu bewegen war. Vielleicht das Schlüsselerlebnis für eine Hobbypadderlinnen-Karriere?

Weiter ging es, die Vegetation war nun schon viel weiter als bei meiner Braunschweig-Umrundung neulich, und die Rosskastanienminiermotte treibt schon wieder ihr schädliches Unwesen; die Seerosenblüte ist auch schon in vollem Gange. Sonst bin ich ja bei einer Beeren-Naschgelegenheit am Ufer selten abgeneigt, aber die hier waren mir zu eklig eingepackt. Keine Aufreger, einfach nur schön — die Oker begeistert mich immer wieder. Auf dem weiteren Weg zum Ölper Wehr kam ich wieder unter der neuen Ringgleisbrücke entlang. Am linken Ufer ist immer noch eine Baustelle, die Boote werden wohl nicht mehr regelmäßig benötigt 😉

Ich sah noch Falschen Jasmin, eingesponnene Weidenzweige — Gespinstmotten (womöglich die Weiden-Gespinstmotte (Yponomeuta rorrella) am Werk? Ich kann mich nicht erinnern, das schon mal so oft und eindrucksvoll (einige Bäume — immer Weiden — waren fast komplett zugesponnen) gesehen zu haben.

Die Bootsgasse am Ölper Wehr wollte ich mir erst mal anschauen — nicht dass ein Scherzkeks einen Einkaufswagen darin verkeilt hat, oder was sonst noch an Ungemach drohen könnte. Zunächst kam mir über die Entchenrampe (darüber findet man in der Fachliteratur zum Wehrbau wieder gar-nichts) eine Entenmama mit vielen Küken entgegen. Ich hatte sie schon unterhalb des Wehres auf die Rampe zuschwimmen und „aussteigen“ gesehen. Erst war ich denen unheimlich, sie drehten stante pede um, als ich mich dem oberen Ende der Bootsgasse näherte. Aber ich setzte mein treuherzigstes Gesicht auf, und die Entenmama war überzeugt, setzte den Weg fort. Die kleinen schnabulierten noch etwas Ufergras am oberen Steg, verschmähten die Entengrütze. Die Entenmutter war noch einen interessiert-fachmännischen Blick auf den Twist, dann rief sie die kleinen zur Weiterreise zusammen, und weg waren sie. Süüüüß 🙂

Inzwischen war ein Vater mit Tochter und Sohn im späten Vorschulalter (vermute ich alles mal so) aufgetaucht, während ich zusah, weiter zu kommen, der von mir bewusst gewählte leicht zu lösende Knoten hatte sich selbst gelöst. Die Kinder bekamen „Das Wehr“ erklärt und die Nachdenkaufgabe, wofür denn wohl der schnell abwärts schießende kleine Bach neben dem Wehr sein könnte. Pflichtgemäß setzte ich eine Spoiler-Warnung ab: „Gleich führe ich vor, wofür das ist“, und fuhr 2 Minuten später (nach der vielen Übung neulich) selbstsicher wie Graf Kox die Bootsgasse herunter, machte den Vater von unten noch kurz darauf aufmerksam, dass er noch gar nichts zur Entchen-Rampe gesagt hatte (hoffentlich bekommt das Petriwehr bei der Umgestaltung auch so etwas 😉)  und fuhr weiter.

Es gab nun richtig etwas Strömung (1 … 2 km/h), so dass ich erst mal flott voran kam.

Bis hier! Ich dachte natürlich gleich „Scheiß A2“, aber es war natürlich die A391, wo ich unmittelbar vor der Autobahnbrücke die erste „Vollsperrung“ erlebte. Ich erzähle ja öfters, wie ich — wenn ein in den Bach gestürzter Baum den Wasserweg blockiert — „mit dem Twist zwischen den Zähnen durch eine Baumkrone klettere“. Hier etwas weniger dramatisch: Aussteigen → Lage peilen → Boot herausziehen und wenige Meter weiter wieder einsetzen → Weiter fahren! Ich muss mal wieder etwas balancieren üben, ich war (auch Alters-bedingt) etwas ängstlich und tatsächlich unsicher, das gab sich aber schon während der Aktion weitgehend. So eine Umsetzaktion dauert normalerweise keine 5 Minuten, hier dieses Mal wegen der Photos etwas länger. Jedenfalls geht das so meistens sehr viel schneller als auf dem letzten halben Kilometer am steilen, hohen, mit Brennnesseln bewachsenen Ufer (ist bei Hindernissen meistens so) einen Ausstieg zu finden, von dem dann noch ein passierbarer Weg zu einer geeigneten Einsetzstelle möglichst dicht hinter dem Hindernis führt … . Bei der Baumstamm-Kraxelei kam mir zu zupass, dass die Waage nach dem Aufstehen zum ersten mal seit 2014 wieder nur eine 2 vor dem Komma angezeigt hatte 🙂

Die Alte Landwehr bei Veltenhof (Nr. 15 im PDF) habe ich vor lauter anderen Sehenswürdigkeiten gar nicht bemerkt.

Ärgernis Verpackungsmüll – hier für Angel-Köderwürmer.

Weiter ging es unter der Okerbrücke bei Veltenhof durch, bei der ich immer wieder staune, dass ich vor etlichen Jahren mal bei einem Hochwasser dort entlang kam, bei dem ich mit dem Junior (damals noch) nur mit Getrickse flach im Boot liegend drunter durch kam, durch schöne Flusslandschaft mit Klatschmohn, Bäumen mit und ohne Schwefelporlingen, Seegras (😉? oder hat da nur wieder jemand seine Gartenabfälle in die Oker gekippt?), und leider immer wieder auch mal an (Hauptsächlich: Verpackungs-) Müll vorbei. Im Abschnitt Veltenhof mit größter Stückzahl vertreten: Verpackungen von Angelköder-Würmern (Tauwurm aus Kanada) — viel zu viele , als dass das alles versehentlich in die Oker gewehte Verpackungen sein könnte. Was für ein hirnverbrannter Armleuchter von Angler muss man sein, um diese Verpackungen in den Fluss zu werfen? Wahrscheinlich kacken die zu Hause auch in die Küche 😠.

Irgendwo ein gutes Stück hinter Veltenhof kam dann eine Blockade, die nicht „mit dem Boot zwischen den Zähnen duchklettern“ zu meistern war: lose zusammengeschwemmte Balken, Äste, Zweige, sonstiger Krams, nichts, auf das man steigen könnte, aber viel zu fest, um einfach mit Karacho durchzufahren — schon gar nicht mit einem IK.

Das war etwas für meinen Spieltrieb! Zunächst schleppte ich an der Achterleine des Bootes einige größere Pflöcke, Balken und Äste aus der Insel, dann stieg ich direkt vor der angeschwemmten Insel am flachen rechten Ufer aus und knotete noch einen größeren Ast aus dem Gewirr. Immer, wenn ich einen weiteren Schritt im schwarzen Schlamm tat, stiegen verdächtige Bläschen aus dem Grund. Dann hatte die Insel keinen halt mehr und schwamm, sich allmählich auflösend, davon. Die Durchfahrt war wieder frei.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Hier ist vorbeischieben angesagt.

Ich sah zu, dass ich die Inselreste überholte, nicht dass der ganze Kladderadatsch sich vor mir an einer Engstelle zu einer neuen Sperre zusammenballt. Und tatsächlich kam schon wenige hundert Meter weiter die nächste „Vollsperrung“. Weder Drüberklettern noch Zerlegung waren aussichtsreich, also war Rechts-dran-vorbeikraxeln angesagt. Prallhang, die Oker schon direkt am Ufer viel zu tief, um drin zu stehen, das Ufer steil und glitschig … . Das war gar nicht so einfach! Aber wie schon der Filmtitel suggerierte, Rainer kam durch.

Am Ziel!

Ohne nennenswerte weitere Hindernisse erreichte ich das Ziel, den Okerdüker bei Watenbüttel. Boot etwas gereinigt und kurz trocknen lassen, eingepackt, in den Ort gegangen, 2 Minuten später kam der Bus, und heimwärts ging es. Leider hatte ich nicht daran gedacht, auch das Portemonnaie in den wasserdichten Beutel zu packen, und im Twist sitzt man öfters mal in eine Pfütze. Schon mal versucht, eine paddelnasse Fahrkarte vom Zehnerstreifen in den Entwertungsstempler zu schieben? Nach einigem Gepruckel gelang es mir dann doch. Am Donauknoten noch schnell etwas Abendessen gekauft (der Kassierer betrachtete etwas irritiert mein Boot im Einkaufswagen — 💭 „War da was im Angebot …?“ 💭

Das war eine tolle Fahrt, auch wenn ich dieses mal keinen einzigen Eisvogel sah — dafür aber 2 Rehe beim Trinken am Ufer. Kein Beweisphoto, die sind viel zu scheu, ehe ich überhaupt daran denken kann, die DigiCam einzuschalten, sind Rehe immer schon wieder im Dickicht verschwunden.


Ein paar Fakten zur Tour:

  • Fahrstrecke vom Einstieg in Braunschweig am Wilhelmitorufer bis zum Ausstieg am Okerdüker: gut 14  km. Hier der GPX-Track (geringfügig nachbearbeitet)!
  • Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: gut (nur jeweils wenige Minuten Fußweg bis zur nächsten Bushaltestelle)
  • Umtragungen: 1 am Petriwehr
  • Bootsgassen: 1 am Ölper-Wehr
  • Sohlschwellen, Stromschnellen etc.: keine nennenswerten
  • Temporäre (unpassierbare) Hindernisse durch umgestürzte Bäume oder ähnliches: 3 zwischen A391 und Ziel
  • Schwierigkeit: Außer bei temporären Hindernissen (oder besonderen Bedingungen wie Hochwasser) gering, auch für weniger geübte Fahrer leicht zu meistern. Keine überdurchschnittliche Kondition erforderlich. Da aber immer mit unpassierbaren Hindernissen zu rechnen ist darf Ein- und Aussteigen auch bei schwierigen Bedingungen kein Problem sein.

 

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Autor: rrbd

Freelancer, Engineer, Camper, Canoeist

9 Kommentare zu “Paddeltour mit Hindernissen von Braunschweig nach Watenbüttel

  1. Hallo Rainer, schöne Tour. Leider habe ich hier keine Rundtour, außer auf den Stauseen im Bergischen Land. Demnächst probiere ich mal die Ruhr. Edgar

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  2. Pingback: Sommerfest | Braunschweig - Weststadt

  3. Screenshot von bootstouren.de

    Ja, dass wir hier in BS so eine Flussrundfahrt (im Sommer bin ich immer sehr Dankbar für Schatten-Bäume) haben ist wirklich ein günstiger Zufall, und dass sich beim Vatertagscampen dann auch noch eine auf der Aller fand entdeckte ich erst kurz vor der Abfahrt.
    Ich wollte schon immer mal wissen, was da in Wolfenbüttel möglich und erlaubt ist, da hat die Oker ja viele Verzweigungen, und an der Sèvres-Brücke kommt von Westen ein ganz anständiger Fluss an, aber so aus der Erinnerung heraus würde ich mal sagen, dass ich noch nie von einer anderen als der auf der Karte dargestellten Route gehört oder gesehen habe. Hier nach ist links-rum wohl eher unmöglich. Der dortige Bootsverleih sagt auch nichts näheres dazu. Ich rufe einfach mal die Tourismus-Leute dort an.

    Und ich könnte mal ab Schwülper Oker-Aufwärts fahren, bei Watenbüttel in den Mittellandkanal wechseln, Richtung Osten paddeln und dann hier auf die Schunter wechseln und wieder zurück nach Schwülper fahren. Aber das wäre für meine Verhältnisse doch schon eine sehr lange Tour, und die Oker gegen die Strömung, und die Knochenarbeit auf der Schunter, … .

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  4. Hallo Rainer.
    Toller Bericht. Du bist ja erst vor ein paar Tagen gefahren. Meinst du die Tour ist im Moment mit dem SUP zu machen?
    Viele Grüße,
    Stefan

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    • Hallo,

      danke für die Blumen! Meine erste SUP-Schnupperfahrt steht immer noch aus, so dass ich da keinerlei Erfahrung beisteuern kann. Ich weiß nicht, wie gut man von einem SUP-Board bei steilem glatten Ufer an Land kommt. Die Mikro-Stromschnellen dürften aber sicherlich kein Hindernis für einen halbwegs sicheren Fahrer sein (notfalls so), und die Bootsgasse am Ölper Wehr ist ja zu umtragen (oder geht sogar das per SUP?), wobei unterhalb des Wehres der Einstig evtl. nicht ganz einfach ist, ich habe das nicht so recht in Erinnerung. Wenn das Problem für SUP-Board lösbar ist müsste die Tour nach meiner Einschätzung auch per SUP fahrbar sein, aber die natürlichen Hindernisse auf der 2. Hälfte ändern sich natürlich ständig. Derzeit ist die Strömung aber nirgends so stark, dass man nicht auch ein Stück aufwärts nach einem Ausstieg suchen könnte.

      Toi toi toi, wenn Du / Ihr das macht hinterlass doch mal einen Kommentar (oder Link) zu den SUP-Erfahrungen.

      Viele Grüße

      Rainer

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  5. Hallo Rainer.
    Danke für deine Antwort. Wir haben heute dann doch lieber „Rund Braunschweig“ gemacht.

    Bin die Strecke nach Watenbüttel schon oft mit dem SUP gefahren. Das Wehr am Ölper See lässt sich fahren (unerfahrene bitte im Knien!!!)

    Mir ging es eher um die Hindernisse im Wasser. Ich paddele deshalb die Strecke immer mit Schuhen, damit ich keine Verletzung meiner Füße riskiere.

    Vielleicht ja bald mal auf dem Wasser!

    Gruß,
    Stefan

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  6. Von Netto erhielt ich heute eine Antwort: der Einkaufswagen wurde zurückgeholt.

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  7. Hallo, super Berichte. Lese ich immer wieder gern.

    Ich habe jetzt auch einen 3er Canadier, fahre meistens zu zweit mit meiner Frau. Letzens waren wir von der Eisenbüttelerstr. bis zum Petriwehr gefahren und wieder zurück. Ist die umtragung am Petriewehr weit?
    Kann man denn jetzt schon , nach den Hochwasser von der Eisenbüttelerstr. Richtung Wolfenbüttel fahren und zurück?
    Gruß Jürgen

    Gefällt 1 Person

    • Hallo, danke für die Blumen 🙂

      Ich fahre auch sehr gern Canadier, muss man aber immer erst mal Mitstreiter für finden. Ob aus unserer Freundeskreis-Braunschweigumrundung wohl noch was wird?
      Petriwehr ist auch mit einem Canadier tragend zu schaffen, das sind vielleicht 50m – die tragen wir bei unseren BS-Umrundungen auch immer. Bitter ist die Wendenwehr-Umtragung, da sind wir immer über den Bootswagen froh, denn wir dann ein paar mal hin und her tragen.

      Wie das zwischen WF und BS aussieht weiß ich derzeit nicht, ich glaube zwar nicht, dass es dort noch Katastrophal ist, aber es ist schon noch eine ganze Menge Wasser unterwegs, schau Dir hier mal die 30-Tage-Pegelstände an. Flussaufwärts könnte doch noch recht anstrengend sein. Ob der Wolfenbüttler Bootsverleih etwas weiß? Hinter WF sind Wehre, und ich finde seine Telefonnummer nirgends. Ich fürchte, da kann ich momentan nicht weiter helfen.

      Allzeit eine Hand breit ….

      Rainer

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