RainerSeiner

Privates von Rainer B.

Winterwanderung im Harz ⛄

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Prolog

Nach dem sonnigen Wetter der letzten Tage hatten wir zunächst etwas Sorge, wir könnten zu spät für eine richtige Winterwanderung dran sein — die Befürchtung erwies sich später als völlig unbegründet.

170218_001_aufbruch_winterwanderungDie Wanderung

Detis Sammeltaxi fuhr pünktlich in Salzgitter ab. Wohl um Parkplatzverabredungsmissvertsändnise am Ausgangspunkt der Wanderung sicher auszuschließen fuhren Moni und Arnulf eine großräumige Suchschleife um den Parkplatz, trafen uns tatsächlich, und so kamen wir dieses mal wirklich auf die Minute genau gleichzeitig am Treffpunkt an. Unsere Sorge bezüglich Überfüllung war deutlich übertrieben. Kurz vor der Auffahrt auf den Parkplatz flog ein Schwarm Kraniche Richtung Norden über uns hinweg.

Nach kurzer Begrüßung und Umkleiden sahen wir zu, dass wir los kamen, es wehte ein unangenehm kalter Wind.

Der Abstieg am Rehberggraben war stellenweise ganz schön glatt, so dass ich ein Witzchen über Pinguinfortbewegungsempfehlungen los werden konnte (später mehr dazu). Ich habe mit Glätte wenig Probleme, freute mich über die Tempodrosselung 😉

Gleich hinter dem Parkplatz sah ich ein fast schwarzes Eichhörnchen.

Dreckssumpr?

Dreckssumpf?

Am Weg gab es immer wieder Hinweisschilder mit historischen Hintergrundinformationen oder Stellen mit schöner Aussicht. An einigen Felsvorsprüngen hatten sich lange Eiszapfengalerien gebildet, die zum Kaputtmachen einluden – ich bestaunte so lange die frostkötteligen Bäume in grünen Pullovern.

Ohne Aufreger und fast ohne Begegnung mit anderen Wanderern erreichten wir die Mittagseinkehr Rehberger Grabenhaus, und kaum saßen wir, kamen auch schon Tina, Carsten, Luzy und Maja. Wir aßen einen Happen, erzählten dies und jenes, von runden Geburtstagen und Mammutfeiernotwendigkeiten,  der Wanderung, Urlaubsplänen und was es sonst noch zu bereden gab. Die Bedienung berichtete von einer Luchssichtung und warf die Frage auf, ob vielleicht der Luchs daran schuld sein könnte, dass neuerdings ein Rehkälbchen bei der abendlichen Fütterung fehlt — vielleicht wollte sie aber auch nur verhindern, dass sich Katrin sorgt, ihr Wildbratenteller könnte vielleicht … .

Gut erholt gingen wir weiter in Richtung TCLMs Parkplatz — und standen nach Überquerung der L 519 vor einer Loipe statt vor einem weiter führenden Wanderweg. Arnulf, Deti und ich konnten die anderen nicht von unserer Ansicht, man gehe grundsätzlich nicht über Loipen, überzeugen, aber meine Warnung, ich würde mich auf den Boden werfen und schreiend umherwälzen (wenn ich mich richtig erinnere), gab den Ausschlag für die Alternativroute (erst mal) ohne Loipe.

Die Alternativroute wurde bald (nach Verlassen des Rudolf-Meyer-Wegs) ganz schön anstrengend: ganz schmaler Weg, Tiefschnee … . Für Luzy und Maja war das sicher nichts, Tina und Carsten hatten wohl auch mehr an einen kleinen After-Lunch-Spaziergang als an Expeditions-Extrem-Trekking gedacht, so verabschiedeten sich die 4 nach kurzer Zeit. Ich gab die Arbeit des Spur-Tretens gern (endgültig) ab, und wir kämpften uns weiter durch den tiefen Schnee, nur um nördlich des Internationalen Hauses Sonnenberg festzustellen, dass wir auch einfach eine halb so lange geräumte Strecke über das Haus-Sonnenberg-Gelände hätten laufen können.

Hinter der L519 (wieder) entschlossen wir uns, doch ein kleines Stück Loipe (ausnahmsweise, nur ganz rechts, nicht in die Spuren latschen, und mit welchen Rücksichtnahmen man immer seine Sondererlaubnis rechtfertigt – uns begegnete aber auch tatsächlich kein einziger Langläufer) zum Sonnenberger Grabenweg zu laufen. Hier wurde es dann richtig anstrengend. Tiefschnee, der „Spurer“ sank mit fast jedem Schritt  tief ein, je weiter hinten, desto leichter war’s. Die Muskeln, die man benutzt, um die Knie auf Bauchnabelhöhe zu bekommen, habe ich offensichtlich schwer vernachlässigt.

170218_029f_kraefteschonung_winterwanderungAnfangs fand ich’s ja noch lustig, später eher nicht mehr. Nachdem ich am Freitag schon 2¼ statt der üblichen 1¾ Stunden für die Standard-Hunderunde gebraucht hatte, waren meine Beine am Samstag wieder Blei-schwer und schmerzten die meiste Zeit, als wäre ein Krampf im Anmarsch — nicht schön. Deti und meistens Arnulf übernahmen die Spitze, wir trotteten hinterher, und irgendwie schafften wir es tatsächlich, die 3½ km bis zur Clausthaler Straße heil zu überstehen – schon an der Weggabelung mit dem Sonnenberger Planweg hatten wir einmütig beschlossen, ohne Experimente auf dem nächsten Weg zu einer Straße zu gehen und dann weiter zu sehen.

An der Straße entlang ging es dann flott voran, aber das war schon noch ein ganz schönes Stück Weg, das wir zu laufen hatten. Auf dem Parkplatz am Hotel Sonnenberg ließen wir uns dann doch wieder zu einer „Abkürzung“ die (“Verbindungs-”) Loipe entlang (hier war Wandern sogar ausdrücklich erlaubt, es hing ein Schildchen mit Rücksichtnahmeregeln dort — o tempora, o mores …)  verleiten, aber das Laufen dort war doch wieder vieeel anstrengender als auf der Straße, so dass Katrin, Deti und ich bald auf die Harzhochstraße flüchteten. Die paar Meter bis zur Straße ging’s noch mal durch richtig tiefen Schnee, ich hatte das Gefühl, bis zum Hals einzusinken, kam so recht aus dem Schnee auch nicht herraus und konnte dann doch noch den erst wenige Tage vorher gelesenen Tipp mit der Pinguin-Wintergangart einsetzen.

Auf dem weiteren Weg verwirrten uns dann noch einige schwer verständliche “Rodeln auf eigene Gefahr” – Hinweisschilder, eins zeigte einfach nur in eine schmutzige Schneefräsen-Räum-Schneewehe am Straßenrand — man weiß es nicht.

Wir erreichen bald ohne große Anstrengung den Parkplatz, 5 … 10 Minuten später kam auch die restliche Truppe heil an. Ihre Erzählungen, was wir Straßenläufer alles verpasst hätten (Wildschweine mit Frischlingen, Hirsche, Bären, Donald Trump hält in Unterhose am Waldrand eine spontane Pressekonferenz ab …) nahmen wir ihnen nicht recht ab.

Auf Katrins Stoßseufzer „was gäbe ich für ein paar trockene Socken“ hin bot ich ihr eilfertig (gegen einen kleinen Unkostenbeitrag von 20€) meine Ersatzsocken an, aber der Preis schien ihr wohl unangemessen, oder sie hatte bedenken wegen der Schuhgröße, oder was weiß ich, jedenfalls durfte ich die trockene Socken behalten und freute mich über das wohlige Gefühl in den trockenen Halbschuhen — das lenkte etwas von den patschnassen Hosenbeinen ab.

Wir beschlossen, nicht noch mal zusammen irgendwo ein Heißgetränk im Sitzen zu ordern, sondern sofort Heim zu fahren, es war auch schon 17:00 Uhr.

Simone entschied nach kurzer Fahrt, nicht einen Augenblick länger in den nassen Schuhen bleiben zu wollen, und zog nach nicht ganz einfachem Ausstieg ein paar trockene Socken über. Wie sie vor Detis Haus ohne Ersatzschuhe den Weg zum Auto meisterte habe ich nicht beobachtet, auf das Angebot, wir könnten Sie ja notfalls tragen, ist sie  nicht zurückgekommen.

Bei Deti vorm Haus trennten wir uns, ich sagte Martina noch schnell telefonisch Bescheid, dass sie den Grünkohl-„Rest“ vom Vortag aufsetzen kann, und bald war ich zu Hause und konnte sofort mit Martina zu Abend essen.

Größere weitere Aktivitäten vollbrachte ich den Rest des Tages nicht mehr, sah mir nur mit Martina — schön auf dem Sofa in eine warme Decke eingerollt — einen Inspector Barnaby von Konserve an.

Epilog

Noch ein paar Hinweise zum GPS-Track.

Ursprünglicher Track:  Download   /  Kartenanzeige
Bearbeiteter Track:    Download   /  Kartenanzeige
170218_0002_reberggrabenhausrasttrack

GPS-Track während der Mittagspause

Die am Geräte angezeigte Distanz von 20,05 km erfüllte uns (mich) mit Stolz, erschien aber  übertrieben. Das Gerät summiert einfach die Distanzen zwischen den aufgenommenen Messpunkten auf, allerdings haben die Berechnungen kleine Ungenauigkeiten, mal zeigt es 20m mehr hier, manchmal auch 20m mehr dort an, und all die Berechnungsfehlersprünge werden mitgerechnet. Speziell bei schlechtem Satellitenempfang während der Mittagspause (ich vermute meistens eher gar keiner) könnten da etliche hundert Meter zusammengekommen sein. Wenn das GPS sich alle Minute 20m woanders verortet „läuft“ man gemütlich im Sitzen über 1 km … . Löschung der vielen Fehlmessungen kürzte den exportierten Track um 760m, die Addition der Strecken zwischen diesen Scheinpositionswechseln während des Mittagessens dürfte tatsächlich noch deutlich länger gewesen sein.

Die für eine exportierte Trackdatei zunächst errechnete Länge dürfte dann wiederum zu kurz sein, die Zahl der auf dem betagten Gerät gespeicherten Punkte ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Standortbestimmungen, so dass die meisten Kurven nicht mit voller Länge  dargestellt werden, sondern eher als 2 Dreiecks Katheten.

Ein besonders leicht nachzurechnendes Beispiel als rechtwinkliges Dreieck mit den Seitenlängen 3, 4, ((5) — Satz des Pythagoras), wobei die Katheten die Track-Teilstücke mit den Längen 3 und 4 sein sollen, die tatsächlich gelaufene Kurve der halbe Dreiecks-Umkreis (U = π d)  mit der Länge 7,85.

streckenDie aufsummierte Länge des Tracks betrüge hier also nur knapp 90% der tatsächlich gewanderten Kurvenstrecke. Beim Paddeln auf mäandrierenden Flüssen wird auch schon mal die Hälfte oder mehr vom Tracker „verschluckt“.

Die exportierten Track dürfen also nicht einfach so für bare Münze genommen werden, sondern bedürfen stets einer sorgfältigen Interpretation. Für den leicht nachbearbeiteten Track errechnet der Editor nun 15,61 km ist nach Vergleichsmessungen aus der Vergangenheit anzunehmen, dass die tatsächliche Strecke maximal ca. 5% länger gewesen sein könnte.

Die heruntergeladenen GPX-Dateien lassen sich übrigens auch bei openrouteservice.org importieren, ich finde die größere Kartendarstellung angenehmer. Allerdings fehlen die Wegpunkte in der Anzeige. Und ich suche noch eine Möglichkeit, die in meinen Tracks fehlenden Höhenangaben „Nachzurüsten“. Kennt jemand eine einfache erprobte Möglichkeit?

Am Sonntag machte ich gleich noch einen Test zusammen mit meinem Bruder. Wir waren auf einem kleinen Familienausflug (Tierbeobachtung in den Watenbüttler Rieselfeldern, es ist toll dort), und wir beschlossen,  die Daten meines Trackers mit den Aufzeichnungen seines Handys zu vergleichen. Mein Tracker registrierte die vorher geschätzten jeweils ca. 1,4 km hin und zurück, der GPS-Chip in Wolfgangs Handy hatte wohl in der Manteltasche nicht ganz optimale Empfangsbedingungen, der aufgezeichnete Track von 10km Länge sah eher aus wie ein auf eine alte Landkarte aufgedruckter Schnittmusterbogen 😉

 

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Autor: rrbd

Freelancer, Engineer, Camper, Canoeist

4 Kommentare zu “Winterwanderung im Harz ⛄

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  2. Pingback: Hier hat der Weg gewonnen | RainerSeiner

  3. Ich hatte ja ein wenig mit meiner Erfolgsquote beim Trampen geprahlt, bin aber Verbesserungsvorschlägen gegenüber durchaus aufgeschlossen:

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  4. Und nun kam ich endlich dazu, meinem Vorsatz vom Vorbeifahren an den Bad Harburger Gabbro-Steinbrüchen nachzukommen und nachzuschauen, was man mit Gabbro eigentlich so macht: Ungefähr alles, was man so mit Steinen gemeinhin macht, mit dem dortigen allerdings hauptsächlich Straßenbau-Splitt und -Schotter.

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