RainerSeiner

Privates von Rainer B.

Aldi-Mini-Luftentfeuchter: Spielzeug!

Ein Kommentar

Da wir vom Vermieter zum Einzug 2 digitale Thermo-Hygrometer geschenkt bekamen (und bei Lidl noch ein 3. für innen und außen dazu erstanden), verfolgen wir nun gebannt die Raumfeuchtigkeit in unserer Wohnung und finden sie etwas zu hoch. Zufällig gab es dann gerade mal wieder den Aldi-Mini-Luftentfeuchter im Angebot, den meine Schwester vor einiger Zeit auch schon mal (mit etwas unklarem Erfolg) ausprobiert hatte. Obwohl eigentlich alle Vorüberlegungen dagegen sprachen, dass das Gerät irgendeine messbare Verbesserung bringen könnte, habe ich eines erstanden, da es mich reizte, meine pessimistische Einschätzung (voraussichtlich) bestätigt zu sehen.

Erste Verblüffung beim Kauf, ich hatte mit irgendetwas Schuhkarton-großem gerechnet, der angebotene Entfeuchter ist aber viel kleiner.

Vorüberlegungen

Aus Wikipedia

Laut Herstellerangabe soll der Luftentfeuchter für Räume bis 35 m³ ausreichen, allerdings fehlt eine Angabe, was für diese Angabe als „ausreichend“ erachtet wird. Ich habe für den Test unsere Küche mit ca. 17 m³ Luftinhalt ausgewählt, die mit wohlüberlegtem  Quer-Lüften mehrmals täglich auf gut 60 %rF gehalten werden konnte, beim Kochen aber auch mal auf 80 % gehen kann.

Die folgenden Vorüberlegungen habe ich größtenteils vor dem Kauf, teilweise aber auch während des bisher 2-wöchigen Tests angestellt. In dieser Testphase hat sich etwa 3 mm Wasser auf dem Behälterboden angesammelt, ca. 25 ml.

Wasserdampfgehalt

Bei 20 °C enthält Raumluft mit 80 % relativer Feuchte ca. 12,0 g/m³ Wasserdampf, bei 60 % rF (erträgliche, aber uns eigentlich immer noch zu hohe Luftfeuchtigkeit ) noch ca. 8,5  g/m³. Um die Luftfeuchtigkeit der Luft im Raum von  80 % rF auf  60 % rF zu reduzieren müsste ein Entfeuchter dem im Raum eingeschlossenen Luftvolumen also erst mal ca. 60 g (=60 ml) Wasser entziehen. Das ist nicht ganz wenig.

Anfangsleistung

Um eine sinnvoll spürbare  Wirkung zu erzielen müsste die „Erstentfeuchtung“ vielleicht innerhalb eines Tages ablaufen, also vielleicht 2 g/h. Weiter unten wird sich zeigen, dass der Entfeuchter nur sehr viel weniger leistet.

Erforderliche Dauerleistung

Menschlicher Feuchteeintrag

Grob geschätzt haben wir jeden Tag ca. 5 Menschstunden in der Küche, wenn ich mal eine Ruhe-Wasserabgabe von 0,5 l/d annehme wären das ein Tagesmittel von ca 21 g/h. Davon sollte der Entfeuchter einen nennenswerten Anteil wieder abführen können.

Lüftungs-Einfluss

Hier wird es schwierig. Wird nun in den trockenen Raum von Außen beim Lüften Feuchtigkeit eingebracht oder hilft die Lüftung, weil sie trockenere Luft in die Küche bringt? Immerhin beträgt der Luftwechsel 0,1 … 1 /h. Wenn von draußen 10 %rF feuchtere Luft ‚reinkommt müsste der Entfeuchter bei Luftwechselrate 0,25 immerhin 6 g/h entfeuchten. Luftaustausch mit draußen ist auch nicht allzu effektiv, bei Außen-Temperatur 10°C und 90% rF entspricht das bei 20 °C ca 60% rF.

Was können wir erwarten?

Der Entfeuchter hat keinen Lüfter, muss also zufällig durchströmender Luft Feuchtigkeit entziehen. Die 4 geschlitzten Seitenflächen (je 8×4 cm und geschlitzter Deckel 8×8 cm sind ungefähr zur Hälfte Loch. Ich nehme jetzt mal optimistischer Weise an, das durch den halben lichten Querschnitt (48 cm²) Luft mit einer Geschwindigkeit von 1 mm/s strömt und dabei von auf 70 % auf 20 %rF entfeuchtet wird, das wären also ca 7,25 g/m³.

Der errechnete Volumenstrom beträgt so 0,41 m³/d, die Tages-Entfeuchtung wären damit grob 3g/d. Verglichen mit dem menschlichen Feuchteeintrag von 100 g/d ist das nicht allzu vielversprechend, die errechnete Menge passt grob zum tatsächlichen Ergebnis innerhalb von bisher 15 Testtagen.

 Fazit der Prognosen:

Einem menschlichen täglichen Feuchteeintrag (Kochen, geöffneter Geschirrspüler etc. nicht eingerechnet) von geschätzt 100 g/d steht eine zu erwartende Entfeuchtungsleistung von 3 g/d gegenüber – der Enfeuchter hat keinen signifikanten Einfluss auf die Raumfeuchtigkeit. Zum Vergleich: übliche preiswerte Feuchtesensoren haben eine Messungenauigkeit von 3 %rF … .

Der Test

Wir haben das Ding am 15.10. zusammengebaut und in der Küche aufgestellt, in den ersten 2 Wochen haben sich geschätzt  25 ml Wasser angesammelt, das wären nur 1,7 g/d, die Hälfte des eh schon kümmerlichen prognostizierten Ergebnisses.

Eine 24h-Messung von gestern auf heute ergab eine Gewichtszunahme des Entfeuchters samt Inhalt um ca 3g.

Längerer Test:

Messung Start 30.10.15 11:00 : Gesamtgewicht Gehäuse + Entfeuchtersalz + Wasser    645 g
Messung Ende 07.11.15 17:00 : Gesamtgewicht Gehäuse + Entfeuchtersalz + Wasser    700 g

Ergebnis: Enfeuchtungsleistung / Tag: 6,67 g/d

Mein Fazit

Kostet (fast) nix, taugt (überhaupt gar) nix.

Lüften bringt sehr viel mehr, sinkt mit einer Querlüftung (3 Minuten) die Raumfeuchtigkeit von 70 %rF auf 60%rF, entzieht das unserer Küchenraumluft 30g Wasserdampf. Für dieselbe Wassermenge braucht der Entfeuchter knapp 5 Tage!

Keine Ahnung, wofür dar Entfeuchter taugen soll, vielleicht kommt in einem winzigen feuchten Kellerraum tatsächlich ein messbarer Effekt zustande – wenn man daran glaubt …

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Autor: rrbd

Freelancer, Engineer, Camper, Canoeist

Ein Kommentar zu “Aldi-Mini-Luftentfeuchter: Spielzeug!

  1. Nachtrag 01.11.2015:
    2 Gewichtsmessungen über 2 Tage brachten ein etwas günstigeres Ergebnis von 8 g/d täglicher Wasseraufnahme, was verglichen mit menschlichem Wassereintrag und Querlüftungsresultaten aber immer noch trostlos wenig ist.

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