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Privates von Rainer B.

Okerfahrt von Schladen nach Wolfenbüttel

Ein Kommentar

Das überraschende Oker-Hochwasser nach heftigen Regenfällen in der letzten Woche hätte mir einen Strich durch meine Pläne machen können, so ein „Höllenritt“ auf der Hochwasser-Welle schien aber auch verlockend. Unten erst mal die Pegelstände, rechtes Ende der Diagramme jeweils am Morgen der Abfahrt, also war das Hochwasser nicht mehr allzu dramatisch, also kam die Tour am Samstag, 02.08.2014 zustande.

Anreise zünftig mit Bus und Bahn: 07:55 aus dem Haus, 08:02 Uhr Abfahrt Bus, 08:26 Abfahrt Bahn (Zug stand schon bereit), 08:50 Ankunft Schladen; auf der Bahnfahrt sah ich noch einige verbliebene große Pfützen auf den Äckern, Überschwemmung war aber schon wieder vorbei. Keine Durchsage, Banhofschild versteckt, gut dass die Zuckerfabrik als Wegmarke neben dem Bahnhof steht! Die Seniorentruppe im Wagen fuhr weiter zum Nordic Walkig in den Harz. Da meine Erinnerung spiegelverkehrt war ging ich erst mal in die Falsche Richtung los, erlebte ein Glanzstück der Wegbeschreibung: „Bis zur Kreuzung und dann weiter zur Okerbrücke“ – klang wie geradeaus, was mir völlig unplausibel erschien, aber die Anwohnerin meinte auch „An der Kreuzung da vorn links und dann geradeaus bis zur Okerbrücke“.

Kurz vor der Brücke links geht es zur Einsetzstelle, ein stufiger Steg, der auch beim verbliebenen Hochwasser einen komfortablen Einstieg ermöglichte. Die Strömung sah ganz schön rasant aus, die später gemessenen 6 … 8 km/h wirkt bei so einem schmalen Flüsschen viel dramatischer als beispielsweise auf der mittleren Weser. Das Boot war schnell aufgepumpt, und los ging es.

Bei gemächlichem Paddeln (sonst: 3 … 4 km/h) ging es flott mit 10 … 12 km/h (Messung GPS-Tracker) Richtung Wolfenbüttel, der kurvige Verlauf  mit Baumhindernissen verlangt bei der hohe Geschwindigkeit etwas Aufmerksamkeit (deshalb keine Fotos von unterwegs), auch wegen vieler merkwürdiger Querströmungen, die ich von Fahrten auf anderen schnelleren Flüssen nicht in Erinnerung hatte. Insgesamt war die Fahrt aber unproblematisch, auch wenn manchmal merkwürdige Hindernisse im Fluss stehen, beispielsweise ein Pflock mit 30 cm Durchmesser, an dem quer ein geschälter mehrere Meter langer Baumstamm knapp unter der Wasseroberfläche hing, keine Ahnung wozu das dienen soll.

Bei Börßum sieht man rechts ein auffälliges Industriegebäude nahe der Oker mit vielen Antennen drauf, dann sind es nur noch wenige hundert Meter bis zur ersten der 3 Stromschnellen. Zumindest bei Hochwasser hat’s die erste in sich, sieht auch ganz schön wild aus. Zwar ist die Strömung im Prinzip gutmütig geradeaus und ich hatte keine Hindernisberührung, die Wellen waren aber so hoch, dass der Twist bei 3/4 Strecke mit dem Bug so tief eintauchte, dass ich sofort einen Eimer Wasser im Boot hatte – Künstlerpech! Oder vielleicht auch ein taktischer Fehler, ich hatte wie meistens alles Gepäck ganz vorn liegen, da das den Geradeauslauf etwas verbessert, vielleicht wäre die Gewichtsverteilung mit dem Gepäck hinter dem Sitz (so hielt ich es für die übrigen beiden Stromschnellen)  hier das entscheidende Quäntchen günstiger gewesen.

Mit einem Viskoseschwämmchen fing ich an, das Wasser aus dem Boot zu fördern, da ich aber nicht sicher war, ob ich bis Wolfenbüttel damit fertig würde, suchte und fand ich auf halbem Weg zur nächsten Schnelle einen Ausstieg, um das Wasser auszukippen und meine Kleidung auszuwringen. Gut, dass ich noch ein trockenes Adamskostüm dabei hatte 🙂

Bald nach der Abfahrt sah ich den obligatorischen Eisvogel vor mir flüchten, kurz vor der nächste Stromschnelle überholten mich 2 Kajaker, wir fachsimpelten eine Minute über die vorige Stromschnelle (die hatten Spritzschürzen, das kann ich auch …), dann zogen sie vorbei. Bei der Wehr-Umtragung in Ohrum (ausgeschildert, bequemer Ein- und ausstieg, die Funktion des schrägen Gittersteges habe ich nicht verstanden) holte ich die beiden noch mal ein.

Die 2. Stromschnelle ist die harmloseste, die 3. ist ausgeschildert („Vorsicht, Sohlabsturz“), hier bekam ich noch mal einen Zahnputzbecher voll Wasser über die linke Bordwand ins Boot.

Die Strömung wurde bis Wolfenbüttel ganz allmählich langsamer, vor dem Ortseingang Wolfenbüttel stank es streckenweise sehr unangenehm nach Fäkalien.

In Wofenbüttel am voll geöffneten Wehr Marktstraße hätte ich bequem durchfahren können, habe das aber natürlich lieber vorher zu Fuß inspiziert und dann lieber bleiben gelassen. Die Strömung stoppt hinter dem Wehr nach steilem Absturz abrupt, da hätte sich die Twist-Nase wohl wieder in den Bach gebohrt, und ich war gerade wieder halbwegs trocken … Mit Spritzschürze hätte ich’s gemacht.

Von da war es nicht mehr weit zum Ausstieg (Naturböschung, aber Trampelpfad zur Straße hoch zeigt, dass da wohl öfters Leute hoch und ‚runter laufen) an der Bushaltestelle kurz vor der Kenosha-Brücke.

Boot kurz abgewischt (wie immer mit unbefriedigendem Ergebnis), ab zur Bushaltestelle, 13:35 über Bahnhof BS nach Hause, Ankunft kurz vor 14:00 Uhr.

Eine schöne Fahrt ohne Sensationen, aber doch abwechslungsreich (und irgendwo sah ich 3 Störche hinter einer Egge herlaufen und „ausgegrabenes“ Getier verspeisen) , und bei Hochwasser schnell „erledigt“; für 20 km Paddelstrecke hätte ich sonst eher den ganzen Tag gebraucht.

Eine Streckenbeschreibung eines kommerziellen Anbieters gibt es hier , und hier gibt es einen GPS-Track.

Wär eine Tour plant benötigt vielleicht ein paar Planungsdaten von wanderpaddeln.de.

Dass mir an der Ausstigegsstelle die Kammera in’s Gras gefallen war, wo sie so gut versteckt lag, dass ich sie bei der Kontrolle vor dem „Abflug“ nicht sah, aber am Abend noch dort lag, so dass ich sie wieder einsammeln konnte, ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte.

 

 

 

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Autor: rrbd

Freelancer, Engineer, Camper, Canoeist

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