RainerSeiner

Privates von Rainer B.

Schunter-Paddeltour von Querum nach Groß-Schwülper

3 Kommentare

Am Samstag also mal was neues, eine Fahrt auf der Schunter von Querum nach Groß Schwülper, nach Idee von boots-touren.de.

8:00 Aus dem Haus, Busfahrt dauert nur ein paar Minuten, am Ziel ist der Weg vom Kreisverkehr zur Brücke ein Klacks. An der unteren Brücke am rechten Ufer gibt es einen befestigten, bequemen Einstieg, bei der Erkundung begegnete mir ein Eichhörnchen, das 1m vor mir erschrocken ins Gebüsch hüpfte, als ich um die Ecke kam.

Das erste Stück war wieder etwas mühsam, zu wenig Wasser im Bach. Für den Paddeltag zeigte der Pegel Haxbüttel 66 cm (Mittlerer Pegel 93 cm).   Nach meiner Erfahrung sollte man wohl nicht unter 80cm, besser 90cm, fahren, die späteren Sohlschwellen, Stromschnellen und Teilstrecken mit flachem Wasser waren sehr mühsam, bisweilen musste ich das Boot durchs Wasser ziehen, an Land tragen, und wenn das nicht ging (teilweise zu unwegsam) im Wasser tragen (sieht vom Ufer her  bestimmt lustig aus). Vom Naturschutzgesichtspunkt her jedenfalls alles halbwegs katastrophal (immerhin, Regel 6 bereitet mir im Twist wenig Kopfzerbrechen)!

Aber nun gings erst mal los, die Schunter macht durchaus erst mal Spaß, wenn man bei mäßiger Strömung (geschätzt:  ¼ … ½ m/s)  mit dem kleinen Boot zwischen den Hindernissen „durchtänzelt“. Viele Bäume haben entweder einfach nur „Trauerzweige“ im Bach hängen (man fängt sich jedes mal ein Pfund Laub und Spinnen ein) oder sind halb ‚reingekippt. Die Bäume selbst sind fast nie ein Problem, aber die Durchfahrten sind meistens derart zugemüllt, dass man kaum eine mal normal durchfahren kann, es ist fast stets ziemliches Gewürge. Und manchmal gehts auch gar nicht, grob geschätzt hier (kurz hinter der Hochspannungsleitungs-Querung, bin mir aber nicht ganz sicher) musste ich das erste Mal umtragen, ein unlösbares Gewirr von Zweigen, Ästen, Müll versperrte die Durchfahrt. Ich habe versucht, mit dem Paddel eine Gasse frei zu schiebe, hoffnungslos! Auf den Bildern sieht man typisches Schunterufer: steile Böschung mit Gras, oft mit Brennesseln durchsetzt, man findet nirgends sicheren Stand, speziell, wenn es wie an diesem Tag in der Nacht vorher geregnet hat und alles nass ist … . Raus geht noch halbwegs, man beißt sich halt im Gras fest, zieht sich irgendwie in Freeclimbing-Manier hoch und das Boot an der Festmachleine hinterher. An dieser Stelle war gab’s einen passablen Einstieg, aber hinter dem Kanal war eine Umtragug, wo ich große Schwierigkeiten hatte, wieder in das Boot zu kommen (siehe Rückwärtsrutsche unten).

Bis zum Mittellandkanal gab es noch

  • einen Greifvogel, der mein Gepaddel lautstark kommentierte
  • ein paar flache Geröllstrecken bis Stromschnellen, für alle zu wenig Wasserstand. Gleich die erste richtige Stromschnelle war doch etwas kritisch, das Boot hin immer wieder mittig auf rundlichen Felsen fest, wollte sich dann quer drehen, und die heftige Strömung wollte mich umkippen.
  • einen aufregenden 3-Etagigen Verkehrsknotenpunkt
  • Ein Wehr mit mit anschließendem Elektroweidezaun-Limbo. Der Bauer hatte einfach eine Rindviecherautobahn vom Hof zur Weide geschaffen, und als Paddler musst Du dann sehen, wie du klar kommst. Auch denkbare Umtragungen sind alle elektrisch versperrt.

Kanalquerung ist einfach, am Weg hinter Düker 30m links gibt es einen komfortablen Einstieg. Je nach Temperament steigt man dann ca. 150m links gegenüber komfortabel aus und muss ein Stückchen tragen oder überwindet die Spundwand direkt gegenüber und steht dann sofort am Wildtor vor dem Abstieg zur Einsetzstelle.

Kurze Zeit später habe ich mich dann verfahren. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo ich am Wehr Thune die richtige Abfahrt verpasst habe (?). Boots-Touren empfiehlt links umtragen, dort bekam ich gleich erst mal von einem Elektroweidezaun einen gezischt, tragen an Land ist extrem mühsam, mannshohes Gras mit Brennesseln, Dornengestrüpp, Gräben (immerhin ganz interessant die vielen Ölförderpumpen(?)); ich bin dann nach 100m entnervt in den Bach gestiegen und habe dort weiter getragen, aber die Brühe wurde immer modderiger, bald kein Durchkommen mehr (wann sind die boots-touren-Leute da wohl zum letzten mal gewesen?). Vermutlich hätte ich einfach 50m vor dem Wehr rechts abbiegen müssen, um dann die Mühle irgendwie zu umtragen.

Glücklichrweise hörte ich unten im Bach das Tosen der Frickenmühle. Boot liegen gelassen, zur Erkundung über die Wiese, Boot nachgeholt, hinter der Mühle wieder eingestiegen, weiter ging es.

Die Galerie ist mir irgendwie missglückt, erstes Bild „Seesack“ unten rechts, in richtiger Reihenfolge „weiter“ nach links

Von der weiteren Fahrt gibt es keine Fotos mehr, weil das ganz einfach irrsinnig anstrengend war. Gefühlt alle hundert Meter irgendeine Schikane, extrem enge Durchfahrten an umgestürzten Bäumen, Stromschnellen, ein Stück im Wasser tragen, ein Hindernis an Land umtragen, …, irgendetwas war immer. Und Pferdebremsen! Bei normaler Fahrt kein Problem, aber immer wenn man irgendwo festhängt hat man die Biester am Hals. Irgendwo bei Walle kam mit dann noch meine Unterwegs-Reservebrille abhanden. Ich habe sie oft im T-Shirt-Kragen hängen, damit ich sie bei Bedarf schnell griffbereit habe, und als ich dann eine Bremse vom Hals verscheuchte, scheuchte ich die Brille gleich mit. Die Schunter war da nicht tief, hätte es einen einfachen Ausstieg gegeben hätte ich die Brille vom Ufer aus eben wieder ‚rausgeholt, aber das war wieder so eine feuchte  Extrembergsteige-Grasböschung, an der ich eh zwecks Baumhindernisumtragung raus musste, da wollte ich mir das nicht antun.

Sliprampe

Mir kam das Ufer noch steiler vor 😉

Der Wiedereinstieg war spektakulär, wieder nasse steile Grasböschung, keine Chance, da irgendwie „normal“ in das Boot zu kommen, so habe ich mal „Rückwärtsreinrutschen“ probiert. Geht im Prinzip, Boot stand mit Heck direkt am Wasser, Bug an Böschung steil nach oben, nachdem ich mit habe reinplumpsen lassen rutschte das Boot von selbst mit Schmackes rückwärts in den Bach.

Nicht unerwartet hatte ich hinterher Bootskonstruktions-bedingt (offener Kofferraum) einen halben Eimer Wasser im Boot, aber 100m weiter war eh wieder tragen angesagt, da konnte ich das Wasser dann nebenbei auskippen.

Entspannungspaddeln gab’s dann in der Oker. Sichtungen: ein Reh beim Wassertrinken (das dann schnell Reißaus nahm), 2 Eisvögel (na endlich). Gegen 15:00 Uhr war ich dann in Groß Schwülper, wo es rechts hinter der Brücke einen treppenartig angelegten bequemen Ausstieg für jeden denkbaren Pegel gibt. Beim Einpacken festgestellt, dass mir irgendwie der Luftpumpenschlauch aus dem Kofferraum abhanden gekommen ist. Leichtsinn, verdammter!

Zur Bushaltestelle war es nur ein kurzer Spaziergang, ich stieg in die 111 (wollte eigentlich 484, aber dachte mir, ich nehme lieber, was ich kriegen kann),  bekam so noch den spektakulär großstädtischen Busbahnhof von Groß Schwülper und einige hundert Milchkannen vorgeführt.

Aufregend dann noch der Schienenersatzverkehr ab Stadion in Richtung Innenstadt. Durchsage in der StraBa sinngemäß „… Richtung Innenstadt benutzen Sie bitte die Schienenersatzverkehrsbusse eins und zwei“. Stieg ich also frohgemut in den einzigen dort stehenden) SEV 2, der mich pflichtgemäß zur Endstationstation Ottenroder Straße karrte 😦

Bei der Wiederankunft am Stadion stand nun alles voll mit SEV 1+2, …

Immerhin war ich wohl nicht der einzige, dem dieses Missgeschick passierte, eine junge Frau, die der SEV 2 auf der Rückfahrt zum Stadion aufgesammelt hatte und die sich beim Einsteigen auffällig ausführlich wg. Umsteigen am Stadion Richtung Innenstadt erkundigt hatte, bekam im SEV 1+2 am Smartphone einen kleinen Schreikrampf, als auf dem Bus-Haltestellen-Display nach der Abfahrt wieder Gesundheitsamt als nächste Haltestelle erschien. Hatte aber seine Richtigkeit, diesmal hielt der Bus hier und nicht hier,   und so kam ich gegen 17:00 Uhr dann doch endlich zu hause an.

Mein Fazit: Wiederholung nur bei mindestens 20cm mehr Pegel. Und solange die Durchfahrten nicht systematisch entmüllt worden sind (was da wohl die Pläne des Schunterverbandes  sind?) lohnt sich die Schunter nicht, das ist ein ganz nettes Flüsschen, aber gegenwärtig einfach zu anstrengend. Fahrzeit 6:20 h verglichen mit 3:50 h für in etwa gleiche Streckenlänge  ab WF (mit Oker ohne nennenswerte Strömung) lässt ahnen, was für eine Keulerei das war. Trotzdem bin ich natürlich mächtig stolz über das heil überstandene Abenteuer. Und abends kribbelten die Beine immer noch wohlig von den vielen Brennnessel-Spaziergängen.

Nächstes mal also wieder etwas Ruhigeres! Und ich brauche dringend wieder eine funktionierende Pumpe!

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Autor: rrbd

Freelancer, Engineer, Camper, Canoeist

3 Kommentare zu “Schunter-Paddeltour von Querum nach Groß-Schwülper

  1. Na das hört sich ja abenteuerlich an! Wäre wohl nix für meinen Rücken in Verbindung mit meinem Sunny Ozeandampfer gewesen. Meinem Rücken entsprechend habe ich mir als mögliches Sommerziel den Vienenburger See ausgeguckt, da kann man dann auch gleich schwimmen und z.B. Besteigung des Bootes vom Wasser aus üben – wäre das mal was?

    Übrigens haben wir nachgesehen, es liegt hier in Neubrück ein Bootskissen zur Abholung bereit. Hättest Dich ja aus Groß Schwülper mal melden können. Dann hätte ich dich nach Hause gefahren.

    Michael

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  2. Habe mir eine Zecke eingefangen und bei der Kontrolle am Samstag übersehen. „Not-OP“ heute morgen. Die Zecke kannte das Lehrfilmchen nicht und blieb erst mal wo sie war, musste mit in unserem Pinzettensortiment ein passendes Werkzeug suchen.

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  3. Pingback: Kurztrip zum Eisenbüttler Wehr | RainerSeiner

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